# KI-Kompetenz nach Art. 4 EU AI Act: Pflicht, Nachweis, Schulung

*Quelle: https://www.provimedia.de/blog/ki-kompetenz-zertifikat-unternehmen-eu-ai-act-2026 · Stand: 2026-03-25*

> Die KI-Kompetenzpflicht nach Art. 4 EU AI Act gilt seit Februar 2025, die Aufsicht startet im August 2026. Was wirklich vorgeschrieben ist, welche Bußgelder realistisch sind und wie Unternehmen den Nachweis pragmatisch führen.

KI-Kompetenz ist seit dem **2. Februar 2025** Pflicht: Artikel 4 des EU AI Act (Verordnung (EU) 2024/1689) verpflichtet Anbieter *und* Betreiber von KI-Systemen, ihre Beschäftigten im Umgang mit Künstlicher Intelligenz zu befähigen. Ein Zertifikat ist ausdrücklich nicht vorgeschrieben. Die nationale Durchsetzung beginnt am 2. August 2026.

**Stand: 4. Juli 2026.** Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.

## Was ist KI-Kompetenz nach Art. 4?

KI-Kompetenz ist eine gesetzlich definierte Anforderung, kein Marketingbegriff. Artikel 3 Nummer 56 der Verordnung (EU) 2024/1689 definiert sie wörtlich als:

> „die Fähigkeiten, die Kenntnisse und das Verständnis, die es … ermöglichen, KI-Systeme sachkundig einzusetzen sowie sich der Chancen und Risiken von KI und möglicher Schäden … bewusst zu werden."

Artikel 4 verpflichtet Anbieter und Betreiber, „nach besten Kräften" für ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz ihres Personals zu sorgen. Der Maßstab ist kontextabhängig: Er richtet sich nach den technischen Kenntnissen, der Erfahrung und dem Einsatzkontext der jeweiligen Personen. Ein Steuerbüro, das ChatGPT für Textentwürfe nutzt, braucht damit weniger Tiefe als ein Unternehmen, das ein eigenes Hochrisiko-KI-System betreibt. Die Pflicht gilt seit dem 2. Februar 2025 (Art. 113 Buchstabe a der Verordnung).

## Ist ein KI-Zertifikat Pflicht?

Nein. Ein Zertifikat ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Die Europäische Kommission stellt das in ihrem offiziellen Q&A zur KI-Kompetenz unmissverständlich klar:

> „There is no need for a certificate. Organisations can keep an internal record of trainings and/or other guiding initiatives." (Europäische Kommission, AI Literacy Questions & Answers)

Auf Deutsch: Es genügt eine interne Aufzeichnung der Schulungen. Wer Ihnen ein Zertifikat als gesetzliche Pflicht verkauft, argumentiert unsauber. Ein strukturierter Nachweis ist trotzdem sinnvoll – nicht weil das Gesetz ihn fordert, sondern weil er genau die von der Kommission empfohlene interne Dokumentation liefert: prüfbar, mit Datum und ohne Zusatzaufwand. Genau dafür ist ein [praxisnahes KI-Kompetenz-Zertifikat](/ki-zertifikat) gedacht.

## Welche Bußgelder drohen wirklich?

Die oft zitierten 35 Millionen Euro gelten *nicht* für fehlende KI-Kompetenz. Artikel 99 des EU AI Act staffelt die Bußgelder klar:

- **35 Mio. € oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes** – ausschließlich für verbotene Praktiken nach Artikel 5.
- **15 Mio. € oder 3 %** – für Verstöße gegen bestimmte andere Pflichten (u. a. Art. 16, 22, 23, 24, 26, 31, 33, 34 und 50).
- **Für Artikel 4 gibt es keine eigene Bußgeldkategorie.** Sanktionen für Verstöße gegen die KI-Kompetenz-Pflicht legen die Mitgliedstaaten national fest (Art. 99 Abs. 1).

Für kleine und mittlere Unternehmen gilt jeweils der niedrigere der beiden Beträge (Art. 99 Abs. 6). Die verbreitete „35-Millionen-Panik" wegen einer fehlenden Mitarbeiterschulung ist damit sachlich falsch – seriös ist die nüchterne Rechtslage.

## Was ändert sich am 2. August 2026?

Am 2. August 2026 beginnt die nationale Marktüberwachung. Die EU-Kommission formuliert, die Behörden „will start supervising and enforcing the rules as of 2 August 2026". Ab diesem Datum wird Artikel 4 aktiv beaufsichtigt: Die Kompetenzpflicht gilt zwar schon seit Februar 2025, doch erst jetzt bekommt sie eine durchsetzende Aufsicht. Der Zeitplan im Überblick:

Datum

Was gilt bzw. passiert

2. Feb. 2025

Artikel 4 (KI-Kompetenz) gilt – für Anbieter und Betreiber (Art. 113 Bst. a)

2. Aug. 2025

Vorschriften für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck sowie der Sanktionsrahmen gelten (Art. 113)

2. Aug. 2026

Nationale Marktüberwachung beginnt mit Aufsicht und Durchsetzung

geplant: 2. Dez. 2026

Kennzeichnung KI-generierter Inhalte (per Digital Omnibus verschoben, noch nicht in Kraft)

geplant: 2. Dez. 2027

Hochrisiko-Pflichten für eigenständige Systeme, Anhang III (verschoben, noch nicht in Kraft)

geplant: 2. Aug. 2028

Hochrisiko-Pflichten für in Produkte eingebettete Systeme (verschoben, noch nicht in Kraft)

Die für Dezember 2026 und später genannten Termine hängen am Digital Omnibus, der am 4. Juli 2026 noch nicht in Kraft ist (siehe nächster Abschnitt).

## Was ändert der Digital Omnibus?

Der Digital Omnibus ist eine beschlossene Änderungsverordnung, die den AI Act an mehreren Stellen entschärft. Das Europäische Parlament hat sie am 16. Juni 2026 angenommen, der Rat am 29. Juni 2026. Sie wartet jedoch noch auf die Veröffentlichung im Amtsblatt und ist am 4. Juli 2026 nicht in Kraft.

Beschlossen wurde unter anderem: Die Hochrisiko-Pflichten werden auf den 2. Dezember 2027 (eigenständige Systeme nach Anhang III) beziehungsweise den 2. August 2028 (in Produkte eingebettete Systeme) verschoben; die Kennzeichnung KI-generierter Inhalte auf den 2. Dezember 2026. Auch Artikel 4 wird voraussichtlich abgeschwächt. Entscheidend: Stand Juli 2026 gilt Artikel 4 unverändert; eine beschlossene, aber noch nicht in Kraft getretene Änderung dürfte die Pflicht abschwächen. Der finale Wortlaut liegt noch nicht auf EUR-Lex vor.

In Deutschland hat der Bundestag das KI-Durchführungsgesetz am 11. Juni 2026 beschlossen; die Entscheidung des Bundesrats steht für den 10. Juli 2026 aus (Stand: Juli 2026). Vorgesehen ist die Bundesnetzagentur als zentrale Marktüberwachungsbehörde (die BaFin für den Finanzsektor) sowie eine Koordinierungs- und Kompetenzstelle (KoKIVO).

## Wie dokumentieren Unternehmen KI-Kompetenz?

Der pragmatische Weg folgt exakt der Empfehlung der Kommission: eine nachvollziehbare interne Aufzeichnung der Schulungen. In vier Schritten:

1. **Bestandsaufnahme:** Wer arbeitet mit welchen KI-Systemen und in welchem Einsatzkontext?
2. **Schulung passend zur Rolle:** Grundlagen für alle Beschäftigten, mehr Tiefe für Personen mit höherem Risiko oder Verantwortung.
3. **Nachweis mit Datum:** Teilnahme, Inhalt und Zeitpunkt festhalten – ein datiertes Zertifikat erfüllt das ohne Zusatzaufwand.
4. **Aktuell halten:** Bei neuen Tools, Rollen oder Rechtsänderungen nachschulen.

Ein digitales Programm deckt das effizient ab. Das [KI-Kompetenz-Zertifikat in rund 90 Minuten](/ki-zertifikat) vermittelt die Grundlagen ab 9,90 € pro Mitarbeiter (Unternehmens-Staffel ab 20 Personen, zzgl. MwSt.; Einzelpersonen 19,90 € zzgl. MwSt.) und liefert einen QR-verifizierbaren, datierten Nachweis für genau diese interne Dokumentation. Für größere Teams mit Rollen- und Vertiefungsbedarf eignet sich eine strukturierte [EU-AI-Act-Schulung für Teams](/eu-ai-act-schulung).

## Häufige Fragen (FAQ)

### Ist KI-Kompetenz nach Art. 4 verpflichtend?

Ja. Artikel 4 des EU AI Act ist seit dem 2. Februar 2025 anwendbar und verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, für ausreichende KI-Kompetenz ihres Personals zu sorgen.

### Brauche ich ein Zertifikat, um Art. 4 zu erfüllen?

Nein. Laut EU-Kommission genügt eine interne Aufzeichnung der Schulungen. Ein Zertifikat ist freiwillig, dient aber als praktischer, datierter Nachweis.

### Drohen 35 Mio. € Bußgeld bei fehlender Schulung?

Nein. Der Höchstbetrag von 35 Mio. € oder 7 % Umsatz gilt nur für verbotene Praktiken nach Artikel 5. Artikel 4 hat keine eigene Bußgeldkategorie; Sanktionen regeln die Mitgliedstaaten national.

### Was passiert am 2. August 2026?

Ab dem 2. August 2026 beginnen die nationalen Behörden mit Aufsicht und Durchsetzung des AI Act. Die Kompetenzpflicht selbst gilt bereits seit Februar 2025.

### Gilt Art. 4 auch für kleine Unternehmen?

Ja, unabhängig von der Unternehmensgröße. Der geforderte Umfang ist jedoch kontextabhängig; für KMU gilt bei Bußgeldern jeweils der niedrigere Betrag (Art. 99 Abs. 6).

### Ändert der Digital Omnibus die Pflicht?

Voraussichtlich ja – die beschlossene Änderungsverordnung dürfte Artikel 4 abschwächen. Stand 4. Juli 2026 ist sie aber noch nicht in Kraft, sodass Artikel 4 unverändert gilt.

### Wie weise ich KI-Kompetenz nach?

Durch eine interne Aufzeichnung der Schulungen mit Inhalt und Datum. Ein QR-verifizierbares Zertifikat bündelt diesen Nachweis prüfbar an einer Stelle.

### Gilt die Pflicht in Deutschland, obwohl das KI-Durchführungsgesetz noch nicht in Kraft ist?

Ja. Der EU AI Act ist eine unmittelbar geltende Verordnung und gilt seit dem 2. Februar 2025. Das nationale KI-Durchführungsgesetz regelt vor allem Zuständigkeiten und Durchsetzung; der Bundesrat entscheidet am 10. Juli 2026.

## Quellen

- Verordnung (EU) 2024/1689 (EU AI Act), Art. 3 Nr. 56, Art. 4, Art. 5, Art. 99, Art. 113 – [eur-lex.europa.eu](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32024R1689)
- Europäische Kommission, AI Literacy – Questions & Answers – [digital-strategy.ec.europa.eu](https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/faqs/ai-literacy-questions-answers)
- Europäisches Parlament, Legislative Train – Digital Omnibus on AI – [europarl.europa.eu](https://www.europarl.europa.eu/legislative-train/package-digital-package/file-digital-omnibus-on-ai)
- Deutscher Bundestag, KI-Durchführungsgesetz (Beschluss KW 24/2026) – [bundestag.de](https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw24-de-ki-1183820)
- Bundesrat, Tagesordnung 10. Juli 2026 – [bundesrat.de](https://www.bundesrat.de)
- Bundesnetzagentur, KI-Marktüberwachung – [bundesnetzagentur.de](https://www.bundesnetzagentur.de)

*Disclaimer: Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Rechtsstand: 4. Juli 2026.*

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Kanonische Version: <https://www.provimedia.de/blog/ki-kompetenz-zertifikat-unternehmen-eu-ai-act-2026>
