Zum Inhalt springen

SaaS-Entwicklung: Was ist SaaS und worauf kommt es an?

Alexander Weipprecht 6 Min. Lesezeit 09. Juni 2026
Software- & SaaS-Entwicklung
SaaS-Entwicklung: Was ist SaaS und worauf kommt es an?

SaaS (Software-as-a-Service) ist ein Cloud-Bereitstellungsmodell, bei dem Sie eine fertige Anwendung über das Internet nutzen und dafür ein Abo zahlen. Laut NIST SP 800-145 verwalten Nutzer dabei weder Server, Betriebssysteme noch die zugrunde liegende Infrastruktur – sie mieten nur die Software selbst.

Hinweis zur Begriffsklärung: In diesem Artikel geht es um Software-as-a-Service – nicht um den Schweizer Skiort Saas-Fee.

Was ist SaaS? Software-as-a-Service einfach erklärt

SaaS bedeutet, dass eine Software zentral beim Anbieter läuft und Sie sie nur noch im Browser oder per App nutzen – ohne Installation, ohne eigene Server. Die Verantwortung für Betrieb, Wartung und Updates liegt vollständig beim Anbieter, nicht bei Ihnen.

Nach der NIST-Definition (SP 800-145, 2011) ist die SaaS-Fähigkeit "die Möglichkeit, die Anwendungen des Anbieters zu nutzen, die auf einer Cloud-Infrastruktur laufen". Der Nutzer "verwaltet oder kontrolliert die zugrunde liegende Cloud-Infrastruktur nicht – weder Netzwerk, Server, Betriebssysteme noch Speicher". Typische SaaS-Beispiele sind laut IBM Gmail, Dropbox oder Salesforce.

Was bedeutet das Cloud-Modell laut NIST – die fünf Merkmale?

Cloud Computing ist die Grundlage von SaaS und definiert, wie IT-Ressourcen bereitgestellt werden. Das NIST beschreibt es als "ein Modell, das einen allgegenwärtigen, bequemen und bedarfsgesteuerten Netzwerkzugriff auf einen gemeinsam genutzten Pool konfigurierbarer Ressourcen ermöglicht, die mit minimalem Verwaltungsaufwand schnell bereitgestellt und freigegeben werden können".

Das NIST nennt fünf essenzielle Merkmale von Cloud Computing:

  • On-Demand Self-Service – Ressourcen werden bei Bedarf selbst bereitgestellt.
  • Broad Network Access – Zugriff über das Netzwerk mit Standardgeräten.
  • Resource Pooling – Ressourcen werden über mehrere Nutzer geteilt.
  • Rapid Elasticity – Kapazitäten skalieren schnell hoch und runter.
  • Measured Service – Nutzung wird gemessen und abgerechnet.

Zusätzlich definiert das NIST drei Service-Modelle (SaaS, PaaS, IaaS) und vier Deployment-Modelle (Private, Community, Public und Hybrid Cloud).

Was ist der Unterschied zwischen IaaS, PaaS und SaaS?

Der Unterschied liegt darin, wie viel der Anbieter übernimmt und wie viel Sie selbst verwalten. Bei IaaS mieten Sie nur die rohe Infrastruktur, bei PaaS eine Entwicklungsplattform und bei SaaS die fertige Anwendung. Die folgende Tabelle fasst die drei Service-Modelle nach NIST SP 800-145 zusammen.

ModellWas Sie mietenWas der Anbieter verwaltetTypischer Nutzer
IaaSRechenleistung, Speicher, Netzwerk – Sie betreiben eigene Betriebssysteme und Software daraufPhysische Hardware, VirtualisierungIT-/Infrastruktur-Teams
PaaSPlattform zum Entwickeln und Betreiben eigener Apps mit den Tools des AnbietersInfrastruktur, Betriebssystem, LaufzeitumgebungEntwickler-Teams
SaaSFertige Anwendung über Browser oder AppKomplette Infrastruktur, Plattform und AnwendungEndnutzer und Unternehmen

Bei IaaS kann der Nutzer laut NIST "beliebige Software einschließlich Betriebssystemen und Anwendungen ausführen". Bei PaaS deployt der Nutzer "eigene oder erworbene Anwendungen, die mit den vom Anbieter unterstützten Sprachen und Tools erstellt wurden". Bei SaaS entfällt jede Verwaltung der Infrastruktur.

Was ist Multi-Tenant-Architektur und warum ist sie das Herz von SaaS?

Multi-Tenancy bedeutet, dass eine einzige Instanz der Software – samt Datenbank und Hardware – mehrere Kunden (Tenants) gleichzeitig bedient. Entscheidend ist laut IBM: Die Daten jedes Tenants sind voneinander isoliert und für andere Tenants unsichtbar.

Die Vorteile sind geringere laufende Kosten durch geteilte Wartung und Infrastruktur, gute Skalierbarkeit sowie zentrale Updates, die für alle Tenants gleichzeitig ausgerollt werden. AWS beschreibt Multi-Tenancy als Modell, bei dem Ressourcen geteilt werden, um Agilität und Kosteneffizienz zu fördern. Wichtig: SaaS ist laut AWS primär ein Geschäftsmodell, nicht zwingend eine bestimmte technische Architektur – auch ein "Stack-per-Tenant"-Modell ohne geteilte Infrastruktur ist valides SaaS, solange es zentral betrieben und einheitlich versioniert wird.

Welche Vorteile bietet das SaaS-Modell für Unternehmen?

Der größte Vorteil von SaaS ist, dass Unternehmen keine eigene IT-Infrastruktur betreiben müssen und sofort einsatzbereite Software erhalten. Die Hauptvorteile im Überblick:

  • Keine Infrastruktur: Server, Betriebssysteme und Speicher verwaltet der Anbieter (NIST).
  • Geringere laufende Kosten: Wartung und Infrastruktur werden über alle Tenants geteilt (IBM).
  • Zentrale Updates: Neue Funktionen erreichen alle Nutzer gleichzeitig.
  • Schnelle Skalierbarkeit: Kapazitäten lassen sich elastisch anpassen (Rapid Elasticity nach NIST).
  • Planbare Kosten: Abo-Modell statt großer Einmalinvestition.

Welche Nachteile und Risiken hat SaaS?

Der zentrale Nachteil von SaaS ist die Abhängigkeit vom Anbieter, da Sie weder Infrastruktur noch Update-Zyklen kontrollieren. Da Sie laut NIST die zugrunde liegende Infrastruktur nicht verwalten, geben Sie Kontrolle über Datenhaltung, Verfügbarkeit und Funktionsumfang ab.

Weitere typische Themen sind Datenschutz und Compliance (wo liegen die Daten?), Vendor-Lock-in beim Anbieterwechsel, Anpassbarkeit bei Standard-SaaS sowie die Abhängigkeit von einer stabilen Internetverbindung. Bei Multi-Tenancy ist zudem die saubere Tenant-Isolation sicherheitskritisch – die Trennung der Kundendaten muss zuverlässig funktionieren.

Was umfasst SaaS-Entwicklung und worauf kommt es technisch an?

SaaS-Entwicklung umfasst den Aufbau einer cloud-basierten Anwendung, die mehrere Kunden zentral, sicher und skalierbar bedient. Anders als bei klassischer Software müssen Architektur, Mandantentrennung, Abrechnung und Update-Strategie von Anfang an mitgedacht werden.

Worauf es bei der Entwicklung von SaaS-Produkten besonders ankommt:

  • Tenant-Isolation: Daten verschiedener Kunden müssen sicher getrennt sein (IBM).
  • Skalierbarkeit: Die Architektur muss elastisch wachsen können (Rapid Elasticity).
  • Einheitliche Versionierung: Alle Tenants laufen auf einer zentral betriebenen Version (AWS).
  • Abo- und Abrechnungslogik: Measured Service erfordert messbare, abrechenbare Nutzung.
  • Sicherheit und Datenschutz: Authentifizierung, Verschlüsselung und DSGVO-konforme Datenhaltung.

Wie groß ist der SaaS-Markt – lohnt sich ein eigenes SaaS-Produkt?

Der SaaS-Markt ist das größte Segment der Public Cloud und wächst weiter zweistellig. Gartner prognostizierte für 2024 weltweite Endnutzer-Ausgaben für SaaS von 247,2 Mrd. US-Dollar – ein Plus von rund 20 % gegenüber dem Vorjahr (Stand: Gartner-Prognose, Mai 2024).

Insgesamt erwartete Gartner für 2024 weltweite Public-Cloud-Ausgaben von 675,4 Mrd. US-Dollar (2023: 561 Mrd. US-Dollar), ein Plus von 20,4 %. Auch in Deutschland ist die Cloud Standard: Laut Bitkom Cloud Report 2024 nutzen 81 % der Unternehmen Cloud Computing, weitere 14 % planen oder diskutieren den Einsatz, nur 5 % lehnen ab. Aktuell laufen 38 % der IT-Anwendungen aus der Cloud, in fünf Jahren sollen es 54 % sein. Datenbasis: repräsentative Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten (KW 12–19/2024).

Häufige Fragen zu SaaS und SaaS-Entwicklung (FAQ)

Was bedeutet SaaS einfach erklärt?

SaaS steht für Software-as-a-Service und bedeutet, dass Sie eine fertige Software per Abo über das Internet nutzen, statt sie zu kaufen und auf eigenen Servern zu installieren. Der Anbieter betreibt, wartet und aktualisiert die Anwendung – Sie nutzen sie einfach im Browser.

Was ist der Unterschied zwischen SaaS und PaaS?

Bei SaaS nutzen Sie eine fertige Anwendung, bei PaaS eine Plattform, auf der Sie eigene Anwendungen entwickeln und betreiben. PaaS richtet sich an Entwickler-Teams, SaaS an Endnutzer und Unternehmen, die sofort einsatzbereite Software brauchen.

Ist SaaS dasselbe wie Cloud?

Nein. Cloud Computing ist der Oberbegriff, SaaS ist eines von drei Service-Modellen darin – neben IaaS und PaaS. Das NIST definiert Cloud Computing mit drei Service-Modellen und vier Deployment-Modellen (Private, Community, Public, Hybrid).

Was ist Multi-Tenancy bei SaaS?

Multi-Tenancy bedeutet, dass eine einzige Software-Instanz mehrere Kunden gleichzeitig bedient, wobei die Daten jedes Kunden isoliert und für andere unsichtbar bleiben. Das senkt Kosten und erlaubt zentrale Updates für alle Tenants gleichzeitig.

Ist SaaS immer Multi-Tenant?

Nicht zwingend. Laut AWS ist SaaS primär ein Geschäftsmodell – zentral betrieben, alle Kunden auf einer Version. Auch ein "Stack-per-Tenant"-Modell ohne geteilte Infrastruktur kann valides SaaS sein, solange es zentral verwaltet und einheitlich versioniert wird.

Welche bekannten SaaS-Beispiele gibt es?

Typische SaaS-Anwendungen sind laut IBM unter anderem Gmail, Dropbox und Salesforce – Tools, die rein über Browser oder Abo genutzt werden, ohne dass Kunden Server oder Updates selbst betreiben.

Lohnt sich ein eigenes SaaS-Produkt?

Der Markt ist groß und wächst: Gartner prognostizierte für 2024 weltweite SaaS-Ausgaben von 247,2 Mrd. US-Dollar bei rund 20 % Wachstum. Ob sich ein eigenes Produkt lohnt, hängt von Zielgruppe, Differenzierung und einer tragfähigen, skalierbaren Architektur ab.

Hinweis: Dieser Beitrag ist eine allgemeine, technische Orientierung zu SaaS und SaaS-Entwicklung und ersetzt keine individuelle Architektur- oder Rechtsberatung. Marktzahlen sind als Prognosen bzw. Stichtagswerte gekennzeichnet (Stand: Juni 2026).

Quellen

Beitrag teilen

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Erhalten Sie die neuesten Artikel, Insights und Branchen-Updates direkt in Ihr Postfach.

Bereit für Ihr nächstes Projekt?

Lassen Sie uns gemeinsam etwas Großartiges schaffen.